Fitness Tracker Test

Fitness-Tracker, Fitnessarmband, Puls- & Sportuhren Vergleich 2017

Stryd Running Power Meter im Test

Stryd Running Power Meter

Wer als Läufer seine Leistung verbessern möchte, der achtet heute meist auf die Pace und die Herzfrequenz. Dank zahlreicher Produkte mit GPS und HF-Sensor (z.B. Garmin vivoactive HR und Polar M600) ist der Zugang zu diesen Leistungsdaten leichter denn je. Im Radsport hingegen wird die Leistung direkt gemessen und in Watt angegeben – Herzfrequenz und Pace spielen dort eine untergeordnete Rolle. Wo die Vor- und Nachteile liegen und was das Produkt von Stryd damit zu tun hat, erfahrt ihr hier mi Stryd Test.

Je mehr wir uns beim Sport anstrengen, desto mehr Energie wird von unserem Körper umgesetzt. Das Herz ist dabei für die Zu- und Abfuhr notwendiger Stoffwechselprodukte zuständig. Es muss also umso mehr arbeiten, je höher die Belastung ist. Kurzum, die Herzfrequenz nimmt zu.

Aus der Herzfrequenz lässt sich also indirekt auf die Leistung schließen, die der Körper gerade verrichtet. Eigentlich keine schlechte Voraussetzung, um die Herzfrequenz als Leistungsindikator zu nutzen – oder doch nicht?

Tücken der Herzfrequenz

Den obigen Zusammenhang würde ich als Grundschulwissen bezeichnen und in den meisten Fällen ist die Herzfrequenz wirklich hinreichend aussagekräftig, um den Sport oder das Training in bestimmten Belastungsgrenzen zu halten.

Wer jedoch genaue Angaben zur Leistung des Körpers benötigt und auf einem konstanten Leistungsniveau trainieren möchte, der muss folgendes bedenken:

  1. Die Herzfrequenz ist abhängig von internen und externen Einflüssen

    Die Herzfrequenz ist nicht alleinig von der körperlichen Belastung abhängig. Auch seelische Belastung, Krankheit und das Wetter können einen Einfluss auf die Herzfrequenz haben. Möchte man auf einem bestimmten Leistungsniveau anhand der Herzfrequenz trainieren, müsste man diese Größen herausrechnen – ein Ding der Unmöglichkeit.

  2. Die Herzfrequenz reagiert verzögert

    Das Herz reagiert nicht unmittelbar auf einen Anstieg bzw. eine Reduzierung der Belastung, sondern hinkt der Veränderung immer hinterher. Ein schönes Beispiel für dieses träge Verhalten entstammt dem Alltag: Wenn wir ein paar Treppen steigen, steigt die Anstrengung bereits mit der ersten Stufe an. Mit der Erhöhung der Herzfrequenz reagiert der Körper aber erst einen guten Moment später. Haben wir das Stockwerk erreicht und die Belastung kehrt auf ein normales Niveau zurück, schlägt das Herz weiterhin im Sport-Modus.

Die Herzfrequenz als Leistungsindikator zu benutzen kann, je nach erforderlicher Genauigkeit, schlichtweg für ein falsches Bild sorgen.

Tücken des Pace

Neben der Herzfrequenz dient die Pace bzw. das Tempo häufig als zweiter Leistungsindikator, weil sie beschreibt, wie schnell ein Läufer unterwegs ist.

Eigentlich ist auch das kein schlechter Indikator, solange man sich auf ebenem Gelände und bei Windstille bewegt. Denn was passiert, wenn wir eine Steigung vor uns haben oder einem der Wind ins Gesicht bläst? Um die Pace konstant zu halten, muss man sich mehr anstrengen. Oder aber, man versucht die Leistung konstant zu halten und nimmt das Sinken des Pace hin.

Leistung in Watt – Leistungsindikator ohne Abhängigkeiten

Im Radsport hat die Messung der Leistung und die Angabe in Watt hingegen seit Jahr und Tag ihren Platz. Der Grund ist relativ einfach, denn beim Radsport kann die auf die Strecke gebrachte Leistung einfach und direkt gemessen werden. Dazu dienen Sensoren, die in Kurbel oder Pedal untergebracht sind und die einwirkenden Kräfte messen.

Für Trainings- und Erfolgskontrollen ist die Kennzahl deutlich besser geeignet, denn ein Fahrer, der nicht in die Pedale tritt, sondern das Fahrrad vielmehr einen Berg hinabrollt lässt, leistet keine Arbeit im physikalischen Sinne und erbringt damit auch keine bzw. eine Leistung von 0 Watt.

Nun gibt es beim Laufen weder Pedal noch Kurbel, so dass eine gewisse Herausforderung besteht, die Leistung zu ermitteln. Für genau diese Herausforderung hat Styrd eine Lösung parat – das Stryd Running Power Meter.

Power Meter – Eine Begriffsklärung

Sportuhr, Fitness Tracker, HR-Brustgurt – alles schon mal gehört. Der Begriff Power Meter hingegen ist für viele neu. Am Ende des Tages bezeichnet er aber im Rad- wie auch im Laufsport eine Vorrichtung, welche die erbrachte Leistung ermitteln kann.

Und genau um eine solche Vorrichtung in Form eines kleinen Sensors handelt es sich beim Stryd Running Power Meter. Wie und wo ein solcher Sensor befestigt wird, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt. Häufig werden die Geräte für den Laufsport am Schuh befestigt und auch das Produkt von Stryd in der aktuellen Version findet dort seinen Platz.

Stryd Unboxing

Bevor sich gleich alles um die Technik und die Funktionen des Stryd dreht, werfen wir noch schnell einen Blick auf die Produktdarstellung und den Lieferumfang.

Stryd Running Power Meter - Verpackung

Stryd Running Power Meter – Verpackung

Das Stryd Running Power Meter ist im Regelfall nur über die Webseite des Herstellers zu beziehen, der jedoch weltweit und innerhalb kürzester Zeit liefert. Im Einzelhandel ist das Produkt schwerlich zu finden.

Erreicht hat mich eine kleine, schwarze Verpackung, die hälftig aus einen transparenten und stabilen Kunststoff den Blick auf den Stryd Sensor sofort freigibt.

Stryd Running Power Meter - Inhalt

Stryd Running Power Meter – Inhalt

Die Verpackung mutet beinahe puristisch an, denn außer dem stylisch eingebetteten Sensor und einem geprägten Schriftzug gibt es auf fünf der sechs Seiten der Verpackung nichts zu sehen. Alleinig auf der Rückseite sind ein paar wenige Informationen in Englisch aufgedruckt.

Die Vermutung liegt nahe, dass Stryd sich nicht mühen muss, durch Informationen auf der Produktbox potentielle Käufer zu überzeugen. Wer auf Stryd aufmerksam wird, der weiß ziemlich genau, wonach er sucht und der weiß ebenso, dass es wenig Konkurrenz am Markt gibt.

Stryd Running Power Meter - Ladeschale + USB-Kabel

Stryd Running Power Meter – Ladeschale + USB-Kabel

Ebenso aufgeräumt wie das Äußere, gibt sich auch der Verpackungsinhalt. Im Lieferumfang befinden sich:

  • Stryd Running Power Meter
  • Induktion-Ladeschale
  • USB-Kabel
  • 2 Clips zur Befestigung am Schuh

Alles in allem ist die Aufmachung des Produkts hochwertig. Statt dünner Pappe wird fester Karton genutzt und selbst die transparente Abdeckung ist mit 2mm Materialstärke deutlich stabiler als alles, was bisher hier durch meine Hände gegangen ist. Mal schauen, ob das Produkt hält, was die Verpackung verspricht.

Stryd Power Meter – Der erste Eindruck

Den guten Eindruck von der Aufmachung der Verpackung kann das Produkt problemlos fortsetzen. Der kleine Sensor in Tropfenform misst gerade einmal 30 x 40mm und wiegt nur ein paar Gramm. Die leicht gummierte Oberfläche weist das gleiche konzentrische, aber unregelmäßige Relief auf, das bereits die Verpackung prägt. Die bündig integrierte LED durchbricht die ansonsten schwarze Farbgebung.

Stryd Running Power Meter - Sensor

Stryd Running Power Meter – Sensor

Spaltmaße gibt es nicht, die Verarbeitung des Sensors wirkt wie aus einem Guss. Das trifft im Großen und Ganzen auch zu, denn das Power Meter lässt eine Buchse oder Kontakte für ein Ladekabel vermissen.

Stryd Running Power Meter - Ladeschale

Stryd Running Power Meter – Ladeschale

Das Laden geschieht induktiv über die Ladeschale und ähnlich wie bei neueren Smartphones: Einfach den Sensor auf die Ladeschale legen und das Laden des kleinen, verbauten Akkus geschieht kontaktlos.

Dass es sich um eben die gleiche Technik wie beim Smartphone handelt, zeigt der Umstand, dass eben auch das Smartphone geladen wird, wenn man es auf die Ladeschale des Stryd legt.

Stryd Running Power Meter - Clip

Stryd Running Power Meter – Clip

Befestigt wird der Sensor mit einem Clip, so dass er auf dem Spann des Schuhs sitzt und sich um die Schnürsenkel „klammert“. Sitzt der Clip ersteinmal richtig in den dafür vorgesehenen Kerben, hält die Befestigung bombenfest. Dass der Sensor beim Laufen verloren geht, halte ich für ausgeschlossen, denn es braucht schon einiges an Kraft, um die Befestigung wieder zu lösen.

Funktionsweise des Stryd

Im Inneren des Stryd Running Power Meters sitzen mehrere Sensoren, die die Bewegung dreidimensional im Raum vermessen können. Die Art der Sensorik dürfte sich nicht wesentlich von der moderner Sportuhren bzw. Fitnessarmbänder unterscheiden, auch wenn diese für den speziellen Anwendungsfall optimiert sein dürften.

Der große Unterschied liegt in der Auswertung der Daten und hier fängt die Magie an. Magie, weil es Stryd versteht, die unterschiedlichen Werte zu einem Wert, nämlich der Leistung, zu aggregieren. Das hat Vor- und Nachteile. Dazu aber später mehr.

Stryd Power Meter mit und ohne Sportuhr

Da es sich beim Stryd um einen Laufsensor handelt, braucht es zur Anzeige und Auswertung der Daten ein Smartphone oder eine Sportuhr.

Stryd in Verbindung mit dem Smartphone

Das Thema Smartphone ist schnell abgehandelt, denn das Power Meter überträgt seine Daten per Bluetooth Smart an iOS bzw. Android App, die beiden kostenlos erhältlich sind.

Die Stryd App ist die einzige App, die die Daten des Stryd Power Meter direkt auswerten kann. Runtastic, Runkeeper und Co. können mit dem Datenstrom selbst nichts anfangen, so dass die Werte dort auch nicht ersichtlich sind.

Die Möglichkeiten der Stryd App sind überschaubar. Natürlich lässt sich damit die Aufzeichnung von Läufen starten. Während der Aufzeichnung stehen dann die Live-Werte zu

  • Bodenkontaktzeit
  • Gesamtdauer
  • Vertikale Oszillation
  • Tempo
  • Schrittfrequenz
  • Gesamtdistanz
  • Leistung (in Watt)

zur Verfügung. In der App können auch die vergangenen Aufzeichnungen angesehen werden, der Zugriff auf alle der o.g. Werte fehlt jedoch. So muss man auf Bodenkontaktzeiten in der Auswertung genauso verzichten, wie auf die Angaben zur vertikalen Oszillation. Dafür sieht man Angaben zu den Höhenmeter in der App. Das ist ein bisschen schade, denn gerade Bodenkontaktzeit und vertikale Oszillation sind Metriken, die Aufschluss über den Laufstil geben.

Stryd in Verbindung mit der Sportuhr

Da ich kein Freund davon bin, mein Smartphone beim Laufen mit mir zu führen, habe ich die Möglichkeit dankbar angenommen, das Power Meter mit meiner Garmin vivoactive HR zu koppeln. Das funktioniert, weil Garmin es mit seiner Plattform Connect IQ Drittanbietern ermöglicht, eigene Anwendungen auf den Garmin-Produkten laufen zu lassen. Für Geräte mit Connect IQ stehen zwei unterschiedliche Wege zur Verfügung:

  • Stryd Connect IQ – App

    Stryd bietet eine komplette kleine App an, die über Garmin Connect auf die Sportuhr übertragen und separat gestartet werden kann. Der Funktionsumfang der kleinen App ist schmal und beschränkt sich auf das Starten und Stoppen von Aufzeichnungen.

    Auch wenn die Darstellung etwas lieblos erscheint, so hat man doch Zugriff auf alle Live-Daten, die sich über drei Datenseiten verteilen.

    Eine vierte Datenseite zeigt anhand einer Skala an, in welcher Watt-Zone (analog HF-Zonen) man sich gerade befindet.

    Die Werte werden (zumindest auf der vivoactive HR) nur in der App angezeigt. Nutzt man das Datenfeld, kann man nur auf die aktuelle Leistung zurückgreifen.

  • Stryd Connect IQ – Datenfeld

    Wem die Möglichkeit fehlt, auf die vielfältigen Daten der vivoactive HR während des Laufens zurückgreifen und die Datenseiten konfigurieren zu wollen, der muss auf die App verzichten und das Stryd Datenfeld nutzen. Einmal über Garmin Connect installiert, steht das neue Datenfeld zur Verfügung, das in die eigenen Datenseiten eingebettet werden kann.

Die Lösung mittels Datenfeld ist für mich die charmantere Lösung, weil ich auf die übrigen Features und Datenfelder der vivoactive HR nicht verzichten muss. Das mag sich in Zukunft ändern, wenn man stärker einzelne Aspekte des Laufens bzw. Laufstils trainieren und dazu die Werte des Stryd Power Meters nutzen möchte.

Garmin Connect - Stryd

Garmin Connect – Stryd

Täuschen mag ein wenig, dass beim Datenfeld nur der Leistungswert angezeigt wird, denn bei der Nutzung des Datenfeldes werden dennoch sämtliche Daten vom Sensor entgegen genommen und an Garmin übermittelt. So sind in der Garmin App und im Web-Portal alles Daten des Stryd Power Meters sinnvoll aufbereitet sichtbar.

Kompatible Geräte im Überblick

Das ganze funktioniert natürlich nicht nur mit der Garmin vivoactive HR, sondern mit einer Reihe von Sportuhren verschiedener Hersteller. Weil es doch eine ganze Menge ist, die auch noch Unterschiede im Funktionsumfang aufweisen, habe ich mal folgende Informationen von der Stryd-Webseite übertragen.

Hersteller / ReiheModell
Garminvivoactive
vivoactive HR
Fenix 2
Fenix 3
Fenix 3 HR
Fenix 5X
Garmin ForerunnerFR230
FR235
FR310XT
FR630
FR910XT
FR920XT
FR735XT
FR935
Suunto AmbitAmbit 3 (Sport, Peak, Vertical)
Suunto SpartanSuunto Spartan (Ultra)
PolarV800

Die Art und Weise, wie das Stryd Power Meter bzw. dessen Daten eingebunden werden, unterscheidet sich nach Hersteller und Modell. Viele der Modelle unterstützen Stryd direkt, andere über Schnittstellen des Hersteller und widerum andere finden den Weg über die Nutzung der Anzeige für die Kadenz. Da mir hier momentan nur die vivoactive HR zur Verfügung steht, mag ich mich gar nicht so weit aus dem Fenster lehnen, was für andere Modelle gilt.

Stryd Power Meter ganz ohne alles

Positiv überrascht hat mich, dass man weder eine Sportuhr noch ein Smartphone mit dabei haben muss, um das Power Meter zu nutzen. Sobald der Sensor Bewegungen erkennt, wacht er aus seinem Tiefschlaf auf und fängt an aufzuzeichnen.

Natürlich stehen dann keine Daten wie Tempo und Herzfrequenz zur Verfügung, aber um mal von (fast) allen Zwängen befreit zu laufen, ist das ein toller Ansatz.

Sobald das Smartphone wieder in der Nähe ist, lassen sich die aufgezeichneten Daten über die Stryd App abrufen und werden dabei in das Power Center – Stryds Web-Portal – übertragen.

Unterwegs mit dem Stryd Power Meter

Nach dem ganzen Vorgeplänkel kommen wir nun zum interessanten Teil. Das Stryd Running Power Meter befindet sich nun seit einigen Wochen an meinem linken Laufschuh und ist automatisch mit dabei, wenn ich mich sportlich auf den Weg mache.

Einmal angebracht, muss man sich eigentlich um nicht mehr kümmern. Sobald Bewegung in die Sache (oder den Sensor) kommt, wird dieser aktiv und sendet über ANT+ bzw. Bluetooth Smart seine Daten.

Erstaunlich sparsam geht er dabei mit seinem eingebauten Akku um. Einfach weil der Zeitraum zu groß ist, kann ich die Laufzeit nicht genau beziffern, aber selbst nach acht Wochen und zahlreichen Läufen war noch genug Saft vorhanden.

Neigt sich der Akkustand doch mal, informiert die blinkende LED, dass es Zeit zum Aufladen wird.

Was mich zunächst irritiert hat ist, dass der Sensor an einem Schuh getragen wird und weder kalibriert, noch die Angabe gemacht werden muss, auf welcher Seite der Sensor getragen wird. Offenbar hat Stryd die Technik aber so gut im Griff, dass es keinen großen Unterschied macht. Bei mir jedenfalls nicht.

Durch das geringe Gewicht von ein paar Gramm fällt das Power Meter wortwörtlich nicht ins Gewicht und dank der IP67-Klassierung braucht man sich auch keine Sorgen machen, wenn es einmal anfängt zu regnen, wenn man unterwegs ist.

Kurzum: Einmal montiert ist der Stryd „zum Vergessen“. Das ist bei weitem nicht negativ gemeint. Das Stryd Running Power Meter ist einfach ein völlig unauffälliger und pflegeleichter Begleiter. Anders sieht es natürlich aus, wenn man versucht einen Nutzen aus den Daten zu ziehen. Dazu im nachfolgenden Abschnitt aber mehr.

Und Watt nu?

Jetzt habe ich also einen Sensor am Schuh, der mir eine Reihe von Metriken liefert und darauf basierend den Leistungswert bestimmt… Bestimmt?! Ja, so würde ich es momentan beschreiben, denn direkt gemessen werden kann die Leistung nicht. Dazu fehlt es einfach an ein paar physikalisch grundlegenden Dingen. Wenn die Leistung aber nicht gemessen werden kann, dann muss sie abgeleitet oder berechnet werden. Abgeleitet und berechnet aus den Werten, die das Power Meter in der Lage ist zu ermitteln. Welche Größen in welcher Form einfließen, das ist das Geheimnis von Stryd.

Leistung = Leistung?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto schwerer wird es den Leistungsbegriff im Sinne seiner ursprünglichen physikalischen Herkunft zu fassen. Solange nicht transparent ist, wie die Wertermittlung zustande kommt, muss auch die Gültigkeit des Wertes als „Leistung“ hinterfragt werden.

Stryd Power Center

Stryd Power Center

Aber jetzt mal hinsetzen, zurücklehnen und Ruhe einkehren lassen. Was wäre so schlimm daran, wenn der ermittelte Wert nicht der physikalischen Leistung entspricht, aber weiterhin seine Unabhängigkeit von internen und externen Einflüssen (u.a. Wetter, Terrain, Gesundheit) aufrechterhält. Was wäre so schlimm daran, wenn der Wert weiterhin für eine solide Trainingsgrundlage dient, auch wenn die absoluten Werte nicht die Referenz genießen, die der Name suggeriert.

Wenn das ganze jetzt „Leistungskennzahl“ hieße und nicht in Watt gemessen wird, sondern ohne Einheit daherkommt, würde es den Nutzen schmälern?

Nein, würde es nicht. Dass sich Stryd für die Bezeichnung „Power“ bzw. „Leistung“ entschieden hat und die Werte in Watt misst, kann ein geschickter Schachzug des Marketing sein, um das Stryd Running Power Meter in der Nähe der bewährten Power Meter aus dem Radsport zu platzieren. Das sind aber alles Mutmaßungen, für die weder ich, noch andere Belege haben.

Vor diesem Hintergrund fällt es leicht, die Zweifel einmal beiseite zu schieben und zu schauen, welchen Nutzen Stryd mit seinem Produkt bringt.

Gewohnheiten ändern

Das Umschwenken von Herzfrequenz und Pace zum Leistungswert ist schon eine Herausforderung, insbesondere weil man sich an die beiden Größen so gewöhnt hat. Vom Kopf her mag der Ansatz über die Leistung wirklich der validere sein und dennoch ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich meine Herzfrequenz und mein Tempo überprüfe. Es dauert, bis man sich auf das neue Modell eingelassen hat.

Stryd Power Center

Stryd Power Center

Positiv ist, dass der Sensor unmittelbar auf ansteigende oder abfallende Belastung reagiert. So vermeidet man Situationen, in denen man mit einer bestimmte, maximalen Belastung trainieren möchte, aufgrund der zeitlichen Verzögerung bei der Herzfrequenz aber erst vom Überschreiten Wind bekommt, wenn es schon zu spät ist.

In Stryds Web-Portal „Power Center“ lassen sich die aufgezeichneten Werte neben der App ebenfalls einsehen und hier wird deutlich, wie schnell das Power Meter Änderungen hinsichtlich der erbrachten Leistung aufbringt. Das obige Bild zeigt eine Sitzung mit dem SHFT und den drei Intervallen während der Sitzung.

Stryd Power Center - Training

Stryd Power Center – Training

Das Power Center hält aber nicht nur die Daten zur Auswertung bereit, sondern liefert auch Trainingspläne und Empfehlungen, wie die Leistung verbessert werden kann. Die Tipps stehen jedoch nicht losgelöst im Raum, sondern werden mit den erbrachten Leistungen verglichen.

Stryd Power Center - Training

Stryd Power Center – Training

Einschätzen ohne Vergleichswerte

Nachteilig wirkt sich aus, dass es einfach keine Vergleichs- oder Erfahrungswerte gibt. Wie die Herzfrequenz und das Tempo bestimmt werden, ist leicht nachvollziehbar und wenn man unterschiedliche Produkte in die Hand nimmt, die eben diese Werte bestimmen, erwartet man auch gleiche Ergebnisse. Bei der Leistungsmessung scheint dieses Vergleichen nicht mehr Gültigkeit zu besitzen. Auch die Sensoren von SHFT ermitteln ein Leistungswert, der aber mit dem von Stryd nicht vergleichbar ist.

Das Fehlen von Vergleichs- oder Erfahrungswerten erfordert es jedoch, dass man die für sich eigene Leistungsbereiche selbst herausfindet. Stryd liefert dazu Hilfsmittel, die mit verschiedenen Tests (u.a. Belastungstest, 5-km-Zeit, 10-km-Zeit) die „Critical Power“ bestimmt und darauf basierend Zonen einteilt.

Was ich sagen will ist, dass man sowohl bei Stryd als auch bei anderen Herstellern mit einem ähnlichen Ansatz in einen eigenen kleinen Mikrokosmos eintaucht. In jedem gelten andere Gesetze und gleichartige Konzepte haben eigene, neue Namen, unterschiedliche Konzepte teilen sich vielleicht den gleichen Namen. Da die Werte aus einer Welt mit denen einer anderen zu vergleichen funktioniert so nicht.

Aber vielleicht ist das auch ganz gut so, um den ständigen Vergleiche mit Bezug auf die Genauigkeit aus dem Weg zu gehen. Eine andere und zudem nachvollziehbar motivierte Art des Trainierens ist es allemal.

Fazit

Stryd stellt mit dem Running Power Meter ein Produkt bereit, dass nicht weniger Anspruch hat, als den Laufsport zu revolutionieren. Das was im Radsport für Bestleistungen sorgt, soll nun auch im Laufsport seinen festen Platz finden.

Aus meiner Sicht ist der Ansatz nicht schlecht, auch wenn ein bisschen viel Magie darin steckt. Solange die Magie aber nicht durch den Zufall geprägt ist, sondern konstant reproduzierbare Ergebnisse liefert, soll mir das egal sein. Man muss nicht immer alles erklären können. Schon gar nicht, wenn der Nutzen dennoch gegeben ist. Und zumindest das würde ich beim Stryd Running Power Meter unterschreiben.

Nichtsdestotrotz ist die Hürde umzusteigen relativ groß. Da sind zum einen die ca. 200 USD die das Produkt aktuell kostet, zum anderen aber den völlig neuen Ansatz, den man akzeptieren und durchdringen muss. Die erschienen Bücher zum Thema sind da sicherlich dienlich.

Stand heute würde ich sagen, dass das Produkt für den Breitensport seiner Zeit voraus ist. Allenfalls diejenigen, die mit möglichst vielen Daten versuchen ihre Leistung zu verstehen und zu verbessern, sowie für die Techies unter uns, mag das Power Meter von Stryd noch einen anderen Nutzen haben. Für den ambitionierten Leistungssportler ist es deutlich sinnvoller. Hier dürfte der Ansatz in der Regel auf deutlich fruchtbareren Boden fallen.

Es lohnt auf jeden Fall das Produkt und den Ansatz als solchen weiter zu verfolgen und wer unabhängige Leistungsdaten nutzen möchte, der sollte den Sensor von Stryd definitiv ins Auge fassen.

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