Fitness Tracker Test

Fitness-Tracker, Fitnessarmband, Puls- & Sportuhren Vergleich 2017

Jawbone UP3 Test – Teil 2

Während des Starts in den Frühling bin ich vom Fitnessarmband UP3 von Jawbone begleitet worden. Den ersten Teil des Tests findet ihr ebenfalls hier im Blog. In diesem zweiten Teil habe ich mir die App von Jawbone genauer angeschaut, denn wie bei einer Vielzahl von Fitness Trackern entfaltet auch das UP3 sein wahres Potential erst im Zusammenspielt mit der App.

Zwei Versionen der Jawbone UP App

Um es vorwegzunehmen: Von Jawbone gibt es zwei Apps für Android und iOS. Die eine App unterstützt die älteren Modelle UP, UP24 und UP Move, die andere spielt nur mit den neuen Modellen UP2, UP3 und UP4 zusammen. Und da ich hier über das UP3 berichte, habe ich mir die neuere der beiden Apps angeschaut. Es handelt sich übrigens um die lilafarbene UP App.

Aufgeräumtes Dashboard mit Timeline

Dreh- und Angelpunkt der App ist das Dashboard, auf dem an oberster Stelle deine Daten hinsichtlich deiner gesetzten Ziele angegeben werden. Dabei handelt es sich um die Schlafdauer und die Anzahl an Schritten pro Tag. Beide Werte werden in Form eines Balkens angezeigt, der umso höher ist, je näher ihr eurem Tagesziel kommt.



Wird auch die Nahrungsaufnahme protokolliert, gesellt sich zu den beiden Aktivitätsbalken ein dritter Balken in Grün hinzu, der die Qualität der Nahrungsmittelzusammenstellung beschreibt. Dazu aber später ein bisschen mehr.

Teil dieses Balkendiagramms ist auch die Anzeige des zuletzt gemessenen Ruhepulses. Leider gibt es momentan keine Möglichkeit, sich die aktuelle Herzfrequenz anzeigen zu lassen. Es würde jedoch auch aus dem Rahmen dessen ausbrechen, was sich Jawbone mit seiner UP-Reihe selbst gesteckt hat: Fitness Tracker für den Alltag zu schaffen, bei denen die momentane Herzfrequenz in den seltensten Fällen von Interesse ist.

Der Ruhepuls hingegen spiegelt den Allgemeinzustand des Körpers wieder, und ändert sich in Stresssituationen, wie auch bei der Umstellung der Ernährung.



An die Charts schließt sich der zeitliche Verlauf an. Ich würde es vielleicht am ehesten mit der Timeline von Facebook beschreiben. Dort werden alle wichtigen Ereignisse der letzten Tage, Stunden und Minuten angezeigt. Inhalte die dort angezeigt werden sind:

  • Tipps für die Gestaltung eines gesünderen, aktiveren Alltags
  • Statistische Auswertungen und Zusammenfassungen
  • Erkannte Aktivitäten
  • Nahrungsaufnahme

Insgesamt wirkt die App sehr aufgeräumt und übersichtlich. Ich habe nicht lange gebraucht, um mich mit der App anzufreunden und gelange schnell zu den Informationen, die ich mir anschauen möchte. Sehr zügig reagiert die App dabei selbst auf meinem betagten Samsung Galaxy S3, alleinig die Synchronisation mit dem Armband kann schon einmal einen Moment dauert. Umso besser, dass Jawbone die Daten des Fitnessarmbands mittlerweile im Hintergrund ausliest und häufig ein aktueller Stand bereits in der App zu finden ist.

Smart Coach: Wertvolle Tipps und bekannte Weisheiten

Viele der angezeigten Informationen werden durch den Smart Coach kommentiert, d.h. ihr erhaltet Tipps und Anregungen, wie ihr z.B. eure Schlafqualität steigern könnt und warum ein niedriger Ruhepuls gut ist, ein hoher Ruhepuls nicht immer Anlass zur Sorge sein muss.

Während ein Teil der Informationen wirklich sehr informativ ist, sind andere Tipps des Smart Coaches aus meiner Sicht ein wenig nervig. Entweder handelt es sich um Allgemeinwissen oder gut gemeinte Lebensweisheiten, aus denen keine konkreten Handlungen abgeleitet werden können.

Das schöne an der App ist, dass man dem Smart Coach mitteilen kann, ob eine Information als sinnvoll oder unwichtig wahrgenommen wurde. Mit der Zeit lernt der Smart Coach, zu welchen Themen er sich äußert und wo er lieber nichts von sich gibt.



Diese Möglichkeit des Feedbacks ist gut umgesetzt und durch zweimaliges Tippen hat man sein Meinung kundgetan. Ein bisschen sachlicher könnte die Rückmeldung an den Nutzer sein. Aktuell sind beide Bestätigungen ein bisschen flapsig.

Lasst euch nicht durch die verwirrenden Texte irritieren: Wenn eine Meldung des Smart Coach mit einem negativen Feedback versehen wird, dann sieht es in der App so aus, als sei ein Fehler aufgetreten, den ihr jetzt melden wollt.

Manuelles Nacherfassen

Mit der Erfassung von Schritten, Pulswerten, Aktivitäten und der Überwachung des Schlafs bietet das UP3 schon eine ganze Menge, kann natürlich aber nicht alle Aspekte einer gesunden Lebensführung erkennen.


Diesem Umstand trägt Jawbone Rechnung und ermöglicht das manuelle Erfassen von

  • Aktivitäten
  • Stimmung
  • Nahrungsmittel
  • Schlaf
  • Gewicht

Aktivitäten ohne Armband

Durch die manuelle Nacherfassung erhält man die Chance, die Aktivitäten zu tracken, bei denen das Armband nicht getragen werden kann oder man es nicht will.

Davon gibt es in meinem Alltag übrigens mehr Situationen, als mir lieb sind: Beim Mannschaftssport ist das Armband ebenso fehl am Platz, wie im Wettkampfsport. Hier hilft nur das nachträgliche Aufzeichnen der sportlichen Leistungen.

Das das nicht die Schuld des Armband oder des Herstellers ist, sollte jedem bewusst sein. Umso besser, dass sich Jawbone der Thematik angenommen hat. Für die Nacherfassung der Aktivitäten stellt die App eine ganze Reihe von unterschiedlichen Sportarten bzw. Aktivitäten zur Auswahl zur Verfügung.





Zwei, drei Angaben und schon ist die Aktivität erfasst und wird auf das Tagespensum angerechnet.

Protokollierung des persönlichen Wohlbefindens

Ich will ehrlich sein und muss sagen, dass für mich die Protokollierung meiner persönlichen Stimmung mit der App kein Interesse weckt.

Das ist natürlich Ansichtssache, aber mich bringt die Information einfach nicht weiter, dass ich vor zwei Wochen an einem Donnerstag besonders niedergeschlagen war.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es dennoch genug jüngeres Publikum gibt, die von der Funktionen ausgiebig Gebrauch machen und über die sozialen Medien teilen. Für all diejenigen möchte ich die Funktion nicht unter den Teppich kehren.

Erfassung der Stimmung per Emoticon

Eure Stimmung könnt ihr anhand einer von acht unterschiedlichen Stufen festmachen, die in der App in Form von verschiedenen Emoticons manifestiert sind. Ein kurzer Kommentar erlaubt euch sogar mitzuteilen, warum ihr in diesem Moment erschöpft oder energiegeladen seid.

Die Info erscheint fortan in der Timeline und kann mit euren Freunden geteilt werden. Zum Thema „Freunde“ findet sich im Folgenden noch ein bisschen mehr.

Ernährungstagebuch: Was ich am Tag esse

Einen besonderen Stellenwert nimmt die Lebensmitteldatenbank ein, mit der ihr protokollieren könnte, was ihr zu euch genommen habt. Die App berechnet daraus die Tagesmenge an

  • Kohlenhydrate
  • Zucker
  • Fett (gesättigte Fettsäuren)
  • Fett (ungesättigte Fettsäuren)
  • Ballaststoffe
  • Eiweiß
  • Natrium
  • Cholesterin

Anhand der Daten berechnet die App einen Punktewert zwischen 0 und 10, der Auskunft darüber gibt, wie gesund die Nahrungsmittel sind. Ein hoher Wert deutet dabei auf eine ausgewogene Ernährung hin.






Die Lebensmitteldatenbank ist umfangreich und einzelne Lebensmittel können durch das Einscannen des Barcodes auf der Verpackung oder durch eine Textsuche gefunden werden.

Für ein schnelles Erfassen sorgt die Vorsortierung: Die App zeigt zunächst die Lebensmittel an, die ich in den letzten Tagen bereits ausgewählt habt. So erspart mir die App das erneute Suchen nach Datenbankeinträgen.

Ich will jedoch ehrlich sein: das Erfassen der Nahrungsmittel eines Tages nimmt doch einiges an Zeit und Geduld in Anspruch. Nicht immer die eigene Geduld, sondern vielfach die Geduld der Mitmenschen, wenn man plötzlich das Smartphone aus der Tasche kramt und nach den richtigen Einträgen in der Datenbank sucht.

Für mich ist die Möglichkeit der Protokollierung eher eine Funktion, die ich von Zeit zu Zeit zur Selbstkontrolle nutze. Dann nehme ich mir einen Tag vor, an dem ich wirklich alles aufzeichne, was ich zu mir nehme und erhalte dann für diesen Tag die Auswertung. Da ich mich nicht quer durch alle Regale im Supermarkt futter, sondern häufig auf die gleichen oder ähnliche Produkte zurückgreife, lernt man ziemlich schnell, welche Lebensmittel wie zu Buche schlagen.

Die Darstellung der Informationen ist sehr gut gelungen und ansprechend. Auch bei der Auswahl der Menge eines Lebensmittels stehen unterschiedliche Maße zur Verfügung. In Abhängigkeit des Produktes erfolgt die Angabe in Stück, Gramm, Milliliter und/oder Portion.

Überwachung der Schlafqualität

Auch der Schlaf kann nachträglich protokolliert werden und das ist auch wichtig, denn hin und wieder tut sich das UP3 schwer beim Aufzeichnen und man stellt am nächsten Morgen fest, dass der Balken für die Schlafdauer am unteren Ende kauert. Das Zeichen dafür, dass das UP3 das Zubettgehen nicht erkannt hat.


Das ist nicht weiter tragisch, denn die Bewegungen werden dennoch aufgezeichnet, eben nur nicht dem Schlag zugeordnet. Wenn man der App mitteilt, wann man ins Bett gegangen und wieder aufgestanden ist, werden auch die Schlafphasen nachträglich berechnet.

Die Situation, dass das UP3 nicht mitbekommt, wann ich schlafen gehe, kommt vielleicht einmal alle 2 Wochen vor und auch dann bin ich mir nicht sicher, ob es vielleicht einfach der familiären Situation mit Kleinkind geschuldet ist, wo der Papa doch immer noch einmal wieder aufstehen muss, um jenes oder dieses zu richten.

Die Aufgabe der Schlafüberwachung erledigt das UP3 ansonsten sehr ordentlich und ich erkenne die Schlafpausen, um meine Frau zu unterstützen und das Kind zu versorgen, am nächsten Morgen deutlich wieder. Es verdeutlicht mir auch sehr klar, wie wichtig der Schlaf ist. Mit einem Kleinkind fehlt einem doch der regelmäßige und durchgängige Schlaf und das schlägt sich in der Tagesform nieder.

Freunde und Wettkämpfe

Den inneren Schweinehund bekämpft man am besten nicht alleine, sondern mit Freunden oder Familie. Für diesen Zweck kann man über die App weitere Nutzer einladen und als Freunde in das eigene Profil eintragen.

Welche Informationen ihr euren Freunden preisgeben möchtet, das bleibt euch überlassen. Das was ihr preisgebt kann fortan von euren Freunden eingesehen werden. Die Ranglisten der Gesamtschritte ist dabei nur eine Form des Wettbewerbs.

Wer es genauer wissen und sich und andere motivieren möchte, der startet ein Duell. Im Wettkampf-Modus gilt es in einem Zeitraum von einem, drei oder sieben Tagen die meisten Schritte zu erlaufen. Das aktuelle Duell mit meiner Frau ist im wahrsten Sinne des Wortes noch am Laufen, so dass ich das Ergebnis hier nachliefern werde.

Ich finde es eine schöne Möglichkeit, zusammen ein Ziel zu verfolgen und spielerisch an die Sache heranzugehen. Warum das übrigens so gut funktioniert, könnt ihr im Bericht über Gamification nachlesen.

Fazit

Mit dem UP3 von Jawbone kann man außer tragen nicht viel anfangen. Dieses bitte aber nicht falsch verstehen, sondern weiterlesen. Es gibt keine Knöpfe und kein Display. Dafür sieht es aber schick und unauffällig aus. In den letzten Wochen habe ich das Armband in nahezu jeder Situation getragen. Ich hatte auch keine Skrupel, das Armband in Kombination mit Hemd und Anzug zu tragen. Dafür ist es schlicht und klein genug, als dass es unter dem Hemd verschwindet.

Das UP3 ist ein Rundum-Sorglos-Armband, dass den Nutzer vor verschachtelter Menüführung, unterschiedlicher Gesten und Knöpfen verschont. Das Armband ist somit selbsterklärend. Wer sich um die Technik keine Gedanken machen möchte, der ist mit dem UP3 sehr gut bedient.

Manch einen mag das zu wenig sein und auch ich muss sagen, dass mir persönlich das Display fehlt, auf dem ich schnell die wichtigsten Daten und die Uhrzeit ablesen kann.

Den Mangel macht die App aber nahezu wett. Obwohl sich alle neueren Fitness Tracker von Jawbone die gleiche App teilen, tauchen in Kombination mit dem UP3 neue Funktionen auf, die beim UP2 noch verborgen waren. Dazu gehört vor allem die Anzeige des Ruhepulses und der Informationen, die damit verbunden sind.

Auch wenn das im Vergleich zum UP2 ein bisschen wenig ist, bilden UP3 und die App ein stimmiges Gesamtpaket. Es bleibt zu hoffen, dass Jawbone das Potential, dass in der Bio-Impendanz-Messung steckt noch mehr ausschöpfen kann, denn eigentlich sollte sich auch die Belastung durch Stress durch eine solche Messung ableiten zu lassen. Es wäre eine tolle Ergänzung zu den bisherigen Werten.

Die regelmäßigen Updates für Hard- und Software lassen es gar nicht so unwahrscheinlich erscheinen, dass die Funktionen eines Tages erweitert werden.

Kann ich für das UP3 eine Empfehlung aussprechen? Ja, das kann ich. Ich empfehle es allen, die ihre gesunden Lebenstil eher im Alltag, als im Fitness Studio oder auf der Marathonstrecke suchen. Für ambitionierte Sportler muss man festhalten, dass das Armband zu wenig bietet. Das UP3 adressiert wie das UP2 einfach eine andere Zielgruppe.

Für Menschen mit dem Wunsch nach einem aktiveren, gesünderen Leben im Alltag ist das Armband genau das Richtige.

Das Jawbone UP3 wurde von Jawbone kosten- und bedingungslos für den Test zur Verfügung gestellt. Ich möchte mich für das entgegengebrachte Vertrauen und die problemlose Bereitstellung bedanken. Der Testbericht spiegelt vollständig meine eigene Meinung und Erfahrung mit dem Produkt wieder.


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