Withings Body Scan im Test – Top-Produkt trotz des Alters?
Technik altert schnell – gute Produkte dagegen oft erstaunlich langsam. Die smarte Körperanalyse-Waage Body Scan von Withings ist dafür ein perfektes Beispiel. Zwar ist die Gesundheitswaage bereits einige Jahre auf dem Markt, gehört dennoch zu den Waagen mit dem größten Funktionsumfang, die man für den Heimgebrauch kaufen kann. Da mit der Withings Body Scan 2 bereits ein Nachfolger bereitsteht, lohnt ein Blick darauf, ob die Waage heute noch ihr Geld wert ist.
Viele der Funktionen, die die Body Scan zum Vorstellungszeitpunkt zu einer Ausnahmeerscheinung machten, sind auch heute noch relevant und bieten einen echten Mehrwert für alle, die ihre Gesundheit langfristig im Blick behalten möchten. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob es inzwischen ein neueres Modell gibt, sondern ob die erste Body Scan im Alltag auch heute noch überzeugt. Genau das soll dieser Test klären.
Unboxing und erster Eindruck
Oha, das Paket ist aber ganz schön schwer. So oder so ähnliche Gedanken sind mir durch den Kopf gegangen, als ich das Paket mit der Withings Body Scan zum ersten Mal in den Händen gehalten habe. Bereits die Vorgänger haben auch aufgrund ihres Gewichts einen soliden Eindruck gemacht. Mit knapp 5 Kilo wiegt das Produkt überraschend viel. Dass das nicht nur der verbaute Technik geschuldet ist, sondern auch aus anderen Gründen Sinn ergibt, darauf komme ich nachher zurück.
Ist der hochwertige Karton erst einmal geöffnet, finden sich dort:
- Smarte Körperwaage Body Scan
- Ladekabel (USB-A auf USB-C)
- Wandhalterung für den Griff
- Produkt-/Sicherheitsinformationen
Wie die Vorgänger hinterlässt auch die Body Scan hinsichtlich der Verarbeitung einen tadellosen Eindruck. Die Oberfläche der Waage besteht aus einer dicken Glasplatte, die nahezu unsichtbar die Elektroden für die unterschiedlichen Messungen beherbergt. Die Größe ist mit 355 x 325 mm ausreichend dimensioniert, um auch großen Füßen ausreichend Standfläche zu bieten, und die Verarbeitung derart solide, dass die Waage Personen bis zu 200 kg zum Wiegen einlädt.
Bedienung und Funktionsumfang
Die Body Scan in Betrieb zu nehmen ist denkbar einfach, denn dazu braucht es nur ein Smartphone mit der Withings-App, die es kostenfrei für Android und iOS in den jeweiligen Stores zum Download gibt. Bevor die Waage eingerichtet werden kann, wird ein kostenloses Nutzerkonto benötigt, das zum einen grundlegende Daten zum Nutzer erfasst (u.a. Alter, Geschlecht) und die ermittelten Werte speichert.
Die Waage war bereits zu 60 Prozent geladen, so dass auf das Laden mittels des USB-Kabels zu Beginn verzichtet werden kann. Mit einer vollen Ladung soll die Waage laut Hersteller bis zu einem Jahr lang mit Energie versorgt sein.
In nur wenigen Schritten ist die Waage mit dem Smartphone und dem heimischen WLAN verbunden. Während die Verbindung mit dem Smartphone vor allem der Einrichtung der Waage dient, nutzt sie das WLAN, um die Ergebnisse des Wiegens bzw. der Körperanalyse unmittelbar über das Cloud-Konto verfügbar zu machen. Mehr braucht es zum einmaligen Einrichten der Waage nicht.
Um die Waage und ihre Funktionen besser kennenzulernen, bietet die App bebilderte und textuell beschriebene Einführungen.
Nach dem Einrichten kann es mit der Nutzung losgehen. Nach dem Betreten der Waage erwacht diese aus ihrem energiesparenden Schlaf und aktiviert das kleine, verbaute 2,8-Zoll-OLED-Display. Das ist mit 320 × 240 Pixeln nicht wahnsinnig hochauflösend, und manches Marketingmaterial zeichnet ein leicht anderes Bild, aber das Display ist völlig ausreichend, um Informationen gut ablesbar darzustellen.
Da mich für den Test das weiße Modell erreicht hat, fällt auf, dass sich das Bild des Displays durch das weiß getönte Glas kämpfen muss und ein bisschen kontrastarm wirkt. Ich kann mir vorstellen, dass das beim schwarzen Modell anders aussieht, da dort nicht die Notwendigkeit besteht, dass schwarze OLED-Display im schwarzen Umfeld der Waage zu verstecken.
Für einen Teil der Messungen (u.a. EKG und segmentale Körperanalyse) braucht es den Handgriff mit den Elektroden, der mit einem selbsteinziehenden Kabel mit der Waage verbunden ist. Und hier kommt auch das hohe Eigengewicht der Waage zum Tragen. Es bildet das Gegengewicht, wenn der Handgriff aus der Halterung am oberen Ende der Waage gezogen wird. Wer den Griff zum Boden scheut, der kann die kleine Wandhalterung nutzen, die per Klebepads an einer glatten Oberfläche angebracht werden kann.
Für meine Körpergröße von 196 cm ist die Länge des Kabels, an dem der Handgriff befestigt ist, völlig ausreichend.
Unterstützung von bis zu 8 Nutzern
Kurz nach dem Betreten der Waage erkennt diese einen von max. 8 Nutzern am Gewicht. Der zuerst eingerichtete Nutzer kann über die App weitere Nutzer einladen. Diese müssen dann einen eigenen Account bei Withings erstellen. Das hat den Vorteil, dass selbst die Daten von Familienmitgliedern untereinander nicht eingesehen werden können – jeder Nutzer sieht nur seine eigenen Daten.
Liegt das Gewicht mehrerer Nutzer zu dicht beieinander, als dass die Waage die Nutzer richtig unterscheiden kann, lässt sich durch Gewichtsverlagerung auf das eine oder andere Bein ein anderer Nutzer auswählen. Der Name des erkannten/gewählten Nutzers wird im Display angezeigt. Und selbst wenn einmal eine Messung falsch zugeordnet wurde, lässt sie sich über die App einfach aus dem entsprechenden Profil löschen.
Segmentale Körperanalyse
Einer der großen Vorteile der Body Scan-Waage ist die segmentale Körperanalyse, die den Muskel- und Fettanteil für Torso, Beine und Arme getrennt voneinander ermitteln kann. Dazu leitet die Waage einen schwachen Strom über die Füße durch den Körper. Weil die Body Scan über einen Griff mit gesonderten Elektroden verfügt, kann der Strom eben bis zu den Armen gelangen, während bei anderen Waagen der Strom den kürzesten Weg von einem zum anderen Bein fließt.
In der App werden die Werte gut dargestellt, und dank des Verlaufs über mehrere Wochen und Monate lassen sich Entwicklungen ablesen. Um ein besseres Bild zur Einordnung zu erhalten, vergleicht die App die gemessenen Werte mit vielen anderen Nutzern in derselben Alters- und Geschlechtsgruppe.
Wie bei jeder smarten Waage schwanken auch hier die Messungen leicht. Die Abweichungen sind aber so gering, dass sie bei Betrachtung eines längeren Zeitraums nicht ins Gewicht fallen.
Ich empfinde die Ergebnisse neben der reinen Gewichtsmessung als großes Plus, denn nicht immer lässt sich ein Trainingseffekt unmittelbar am Gewicht ablesen. So erhalte ich noch mehr Einblicke in Veränderungen meines Körpers. Und das muss nicht mal zwingend ein Trainingserfolg sein, weil man 2x die Woche ins Fitness-Studio geht, denn auch veränderte Lebenssituationen (z.B. Wechsel vom/ins Home-Office) bzw. deren Auswirkungen lassen sich beobachten.
6-Kanal-EKG
Der zweite große Pluspunkt und ein Alleinstellungsmerkmal der Body Scan ist die Möglichkeit, während des Wiegens ein 30-sekündiges EKG zu erstellen. Auch hierzu muss der Griff mit den Elektroden in beide Hände genommen werden.
Aktuell habe ich keine Sorgen um meine Herzgesundheit, und dennoch ist es gut zu wissen, dass Withings mit der Messung Unregelmäßigkeiten in Form von Vorhofflimmern erkennt. Im Vergleich zum Wettbewerb (vor allem in Form von EKG-fähigen Uhren), hat Withings der Body Scan ein 6-Kanal-EKG spendiert, das den Herzschlag im Vergleich zur 1-Kanal-Variante in mehreren Dimensionen betrachtet und ein detailliertes Bild liefern soll.
Besteht einmal die Notwendigkeit, ein EKG einem Arzt vorlegen zu wollen, lassen sich die Daten in Form eines PDF-Dokuments exportieren.
Pulswellengeschwindigkeit
Im Kontext der Herzgesundheit spielt auch die Pulswellengeschwindigkeit eine Rolle. Dabei handelt es sich um eine Metrik, die beschreibt, mit welcher Geschwindigkeit sich das Blut nach einem Herzschlag im Körper ausbreitet. Niedrige Geschwindigkeiten lassen darauf schließen, dass die Gefäßwände eher flexibel sind, während höhere Werte auf eine Versteifung hinweisen. Weil sich die Werte durch die Lebensweise beeinflussen lassen, ist die Pulswellengeschwindigkeit ein weiterer Wert, um zu beobachten, welche Veränderungen der Lebensweise, der Ernährung oder des Trainings einen positiven Einfluss auf einen selbst haben.
Leider ist die Erfolgsrate bei der Messung schankend und deutlich niedriger als beim Vorgänger, der Withings Body Comp (Testbericht). Häufig quittiert die Waage die Messung mit „nicht eindeutig“. Mit leicht feuchten Füßen nimmt die Erfolgsrate zu, ebenso muss man darauf achten, dass die Füße an der richtigen Stelle stehen. Alles Aspekte, die beim Vorgänger keine bzw. eine untergeordnete Rolle gespielt haben.
Nervengesundheit
Weitere Einblicke in die eigene Gesundheit bietet Withings mit der Metrik „Nervengesundheit“. Dabei nutzt die Waage erneut schwache Ströme, um auf den Zustand kleinster Nerven in den Fußsohlen zu schließen. Ein Wert zwischen 50 und 100 stellt ein normales Ergebnis dar, während ein Wert unter 50 ein Hinweis auf Neuropathie sein kann. Weil sich hinter dem Begriff viele Erkrankungen verbergen, kann ein stets niedriger Wert ein sinnvoller Indikator für einen Arztbesuch sein.
Gewichtsmessung-Modi
Abschließend bietet die Body Scan auch noch unterschiedliche Gewichtsmessung-Modi, z.B. den Babymodus, der durch zwei Messungen (einmal mit, einmal ohne Baby) das Gewicht des Kindes ermitteln kann. Für viele – z.B. meine Frau – ist der Augen-zu-Modus von Vorteil, weil er eben nicht jeden Morgen die nackten Zahlen liefert und Frust vorbeugen kann, wenn sich Maßnahmen nicht unmittelbar in der gewünschten Gewichtsänderung niederschlagen. Ergänzt werden die Modi durch einen Schwangerschafts- und einen Athletenmodus.
Die Withings Body Scan nur als smarte Körperwaage zu sehen, würde dem Produkt nicht gerecht werden, denn sie ist eine fortschrittliche Gesundheitsstation für den Heimgebrauch. Selbst Jahre nach der Vorstellung stellt Withings mit der Body Scan eines der umfassendsten und besten Produkte bereit, wenn es um Einblicke in die eigene Körpergesundheit geht. Klar gibt es mittlerweile Produkte vom Wettbewerb, z.B. die MorphoScan Nova von Renpho, die um einiges günstiger sind, die sich aber vornehmlich auf die segmentale Körperanalyse beschränken.
Ergebnis des Withings Body Scan Tests
- umfangreiche Metriken
- lange Akkulaufzeit
- Konnektivität
- hoher Preis
- schwankende Erfolgsquote bei PWG-Messung
Auch mehrere Jahre nach ihrer Markteinführung muss sich die Withings Body Scan keineswegs hinter aktuelleren Modellen verstecken. Im Gegenteil: Der Funktionsumfang ist nach wie vor beeindruckend und geht deutlich über das hinaus, was die meisten smarten Körperwaagen am Markt bieten. Vor allem die Kombination aus segmentaler Körperanalyse und die Messung von Vitaldaten macht sie zu einem Produkt, das nicht nur das Gewicht dokumentiert, sondern einen umfassenderen Blick auf die eigene Gesundheit ermöglicht.
Ganz ohne Kritik bleibt die Waage allerdings nicht. Die Messung der Pulswellengeschwindigkeit erfordert Geduld und liefert in meinem Test zu häufig kein verwertbares Ergebnis. Auch das OLED-Display wirkt beim weißen Modell etwas kontrastarm. Das sind jedoch Punkte, die den insgesamt sehr positiven Eindruck nur geringfügig schmälern. Deutlich stärker fällt die hohe UVP von ca. 400 € ins Gewicht. Im Handel wechselt die Waage aber für deutlich weniger Geld den Besitzer.
Wer lediglich sein Gewicht oder den Körperfettanteil erfassen möchte, findet mittlerweile deutlich günstigere Alternativen. Wer hingegen möglichst viele Gesundheitsdaten in einem Gerät bündeln, langfristige Entwicklungen beobachten und die sehr gut aufbereitete Withings-App nutzen möchte, bekommt mit der Body Scan auch heute noch eines der überzeugendsten Gesamtpakete am Markt. Dass inzwischen mit der Body Scan 2 ein Nachfolger erhältlich ist, ändert daran wenig. Solange man die erste Generation zu einem attraktiven Preis bekommt, bleibt sie eine klare Kaufempfehlung, denn mittlerweile denke ich: Geld investiert man am besten in seine Gesundheit.
Offenlegung / Werbung: Das Produkt wurde mir auf meine Anfrage hin für den Test der/des Body Scan von Withings kostenlos zur Verfügung gestellt. An den Inhalt des Testberichts wurden keine Bedingungen geknüpft. Der Inhalt des Testberichts spiegelt somit vollständig meine eigene, unvoreingenommene Meinung und Erfahrung mit dem Produkt wider.
Warum der Beitrag dennoch als 'Werbung' gekennzeichnet ist, könnt ihr unter Kennzeichnungspflicht nachlesen.






























